„Liebe – Herzensbrecher“

MESSE ANDERS zum Valentinstag 14.02.2019

Das WORT Konzept von Stephan Maria Glöckner

Als ich gefragt wurde, ob ich mir vorstellen könnte, in der Kirche das Wort zu ergreifen zum Thema ‚Liebe – Herzensbrecher‘, dachte ich zunächst, da hätten sie aber den Bock zum Gärtner gemacht.

Bei genauerer Beschäftigung mit der Materie wurde mir klar, dass es beim männlichen Bodenpersonal der katholischen Kirche zu diesem Thema eigentlich nicht so viele männliche Fachleute geben dürfe. Die Ex-Perten laufen doch eher da draußen im alltäglichen Gemenge herum.

Ich jedenfalls würde mich nicht als Spezialist für Liebe bezeichnen, und schon gar nicht als Herzensbrecher. Schließlich wurde ich früher in der Schule beim Fußball immer als letzter gewählt. Die Mädels standen eher auf die Cracks, die Torschützen, die Rabauken, das änderte sich erst, als ich mich der Musik hingab und besser Gitarre spielen lernte.

Dennoch habe ich beim Thema Liebe und Partnerschaft einen ziemlich bunten Zick-Zack-Kurs hinter mir. Daraus resultierend die Aufteilung von Finanzen und Sorgerecht, die Konsequenz, die aus so etwas folgt; Patchwork für Fortgeschrittene. Nicht immer lustig, aber langweilig wird es ganz bestimmt nicht.

Woran liegt das, habe ich mich oft gefragt, dass ich keine Ruhe da rein bekomme, keine langfristige Zufriedenheit, nicht das Glück, nach dem ich mich immer gesehnt habe und da bin ich sicher nicht alleine. Die Antwort war so simpel, dass ich mir das früher nicht vorstellen konnte: Es liegt an mir! Und bei allem, was ich jetzt sage, verzichte ich ganz bewusst auf jede Wertung. Ich verabschiede mich von Gut, Schlecht, Böse. Es ist einfach wie es ist.

Wenn wir uns verlieben, gehen die Hormone mit uns durch. Verliebtheit zählt zu den schönsten Gefühlen, die wir kennen. Wir entdecken durch die rosarote Brille ein Idealbild des Partners und übersehen oder besser, wir lieben das, was uns später vielleicht nervt. Lässt die Verliebtheit nach, verschiebt sich die Wahrnehmung und dann stört uns oft genau das an unserem Partner, was wir anfangs so charmant fanden. Kurios.

Auch ich habe nach dem ganz Großen gesucht, nach dem Reinen, dem perfekten, dauerhaften Glück. Und diese Erwartung habe ich den jeweiligen Partnerinnen immer übergestülpt. Ich durfte ich, sie aber sollten perfekt sein. Das schafft niemand. Und wenn das langfristig nicht funktionierte, kam die Ent-Täuschung, man hat sich nicht mehr länger gegenseitig getäuscht, sondern die nackte Wahrheit gesehen. Und dann gibt es 2 Möglichkeiten: erstens, man trennt sich und sucht den nächsten Partner, der wieder die undankbare Rolle des Versuchs übernehmen darf, das eigene Defizit zu abzufedern oder zweitens: man hat irgendwann eine Erkenntnis; und dann wird es interessant.

Ein gebrochenes Herz ist das Symbol für den Verlust einer Liebe. Wir alle wissen, dass man Herzen nicht brechen kann. Aber der Schmerz, den Liebeskummer zu verursachen imstande ist, kann mitunter so groß sein, dass Menschen daran verzweifeln. Man sagt ja auch: nichts tut mehr weh als die Liebe.

Das ist ein Irrtum. Die Liebe kann niemals Leid verursachen. Sie verletzt nicht, sie ist nicht eifersüchtig, sie hat keine Erwartung. Kennen wir alles aus dem Hohelied der Liebe (1. Korinther 13).

Nicht die Liebe schmerzt; sondern das Gegenteil: die Angst. Und ich rede jetzt nicht von der biologisch berechtigten Angst vor allem, was fremd ist, Dunkelheit, Spinnen, Trump oder versteckten Rosinen im Weckmann.

Ich meine auch nicht den Hass, der vom Wesen der Liebe ähnlich ist. Ich spreche von der Angst, die der Liebe diametral gegenüber steht. Angst in ihren unterschiedlichsten Facetten: Verlust, Ignoranz, Neid, Eifersucht, Mangel an Selbstwert, die Angst etwas verpassen, zu versagen, nicht cool genug oder sogar lächerlich zu wirken, usw. Man könnte wahrscheinlich noch viele aufzählen.

Warum aber ist das so? Wenn die Liebe der Ursprung von allem Sein ist, von Gott kommt oder sogar eins mit Gott ist, dann finde ich eine Antwort darauf, wo all diese immense Sehnsucht herrührt, die uns in diesem Leben gefangen hält. Vielleicht erinnern wir uns unbewusst daran, wo unser tiefster Ursprung ist. Da wir das aber intellektuell nicht begreifen können, versuchen wir ständig verzweifelt, diese Sehnsucht zu stillen. Und unser Ego bietet uns eine ganze Palette von vermeintlichen Lösungen an: Reichtum, Abgrenzung, Krieg, Vergleich, Macht, Sex, Drogen, Intrigen, Selbstdarstellung…Ablenkung von uns selbst, bis wir nicht mehr wissen, wer wir sind. Aber jede dieser Befriedigungen von außen hat eine kurze Lebenszeit. Mir kommt das manchmal vor, als wären wir Teil eines riesigen Spiels, in dem jeder einzelne seine festgeschriebene Rolle hat.

Mit diesem Blickwinkel öffnet sich in meinen Augen der Weg klar und transparent: wenn ich Verantwortung übernehme, wenn ich aufhöre, anderen die Schuld zu geben und vergeben kann, wenn ich in der Lage bin, meine Angst davor, alleine zu sein, zu überwinden, weil ich sehe, dass ich nicht alleine bin und das alles bereits in mir ist, dann kann ich die Liebe finden. Und sie kann mich ausfüllen und erfüllen. Und das klingt doch irgendwie nach Erlösung.

Foto: Wolfgang Lingen